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Friday, November 12, 2010

Vater des Waldes

Ein Schild zeigte uns an, dass wir auf den nächsten Kilometern durch den Waipoua Forest fahren würden. Und man bemerkte die veränderte Natur sofort, denn der Wald schien sich die Straße zurückerobern zu wollen und schickte Farne als Vorboten, die sich von beiden Seiten zur Straße beugten. Im Waipoua Forest befindet sich Tane Mahuta - Vater des Waldes, der älteste lebende Kauribaum. Er hat einen stolzen Stammumfang von 17,22 m und einem Alter von um die 2000 Jahre. Sicher gab es noch größere und ältere Exemplare, die wurden aber mit den Millionen Hektar Kauriwaldes im 19. Jahrhundert gefällt, wobei die ehemals im Northland existierenden 2 Millionen Hektar auf einen Bruchteil geschrumpft wurden.

Auch die "nächstkleineren" größten Kauris kann man in diesem Wald finden. Der zweitgrößte, ebenfalls Vater des Waldes, hat den Namen Te Matua Ngahere (siehe Foto unten; Tane Mahuta sieht man gut bei Wikipedia) .

In ihren Kronen gibt es mehrere Etagen und sogar Gärten. Es wachsen Flechten und Moose, später Farne und dann sogar andere Bäume. Zahlreiche Insekten und Vögel finden hier ein Zuhause. Junge Kauris haben eine Pyramidenform, erst mit höherem Alter entwickelt sich die ausladende Krone. Ganz spät brechen große Äste ab, so dass manchmal fast nur noch der große Stamm übrigbleibt.

Das Fällen der Bäume ist heute nicht mehr die große Gefahr, an dessen Stelle trat eine Krankheit namens “Kauri dieback” (Kauri-Sterben). Es handelt sich um einen pilzähnlichen Erreger namens Phytophthora taxon Agathis aus dem Reich der Chromista, welcher mit Erde übertragen wird. An den Zugängen zu Kauriwälder muss man deshalb seine Schuhe waschen.Des Weiteren soll man nicht nahe an die Kauris herangehen, auch um ihre Nährwurzeln nicht zu beschädigen, die sehr nah an der Erdoberfläche verlaufen. Trotz zahlreicher Schilder halten sich viele Touristen leider nicht daran.

Nach diesem beeindruckenden Naturerlebnis campten wir auf einem DOC-Campingplatz ganz in der Nähe, wo es ebenfalls Kauris gab. Das Gelände, ein klitzekleiner Urwald voll mit großen Kauris, war 1921 von seinem Besitzer an die Regierung übergeben worden, heißt nach ihm heute Trounson Kauri Park und wird vom DOC verwaltet. Nachdem wir den wunderschönen und informativen Rundweg gemacht hatten (zwischendrin und zum Abschluss natürlich mit Schuhe waschen), trafen wir auf den zuständigen Ranger. Im Wald sagte er, gibt es Hunderte Kiwis, was nur durch ständiges Pestmanagement möglich ist. Das heißt es werden ständig Gift ausgelegt und Fallen aufgestellt, um die ganzen eingeschleppten Raubtiere, nämlich Ratten, Katzen, Possums, Wiesel, Hermeline, Frettchen... in Zaum zu halten.

Eine kuriose Geschichte gab es noch. Uns war aufgefallen, dass es um den Campingplatz eine Menge Kaninchen gab. Die helfen quasi, die Predatoren vom Kiwi abzulenken. Soll heißen, wenn es viele Kaninchen gibt, vermehren sich auch die Kiwis gut. Ist nicht wissenschaftlich abgesichert, aber so war seine Erfahrung. Eines können wir bestätigen, Kiwis gab es, denn wir hörten sie in der folgenden Nacht.

Thursday, November 11, 2010

Entlang der Kauri coast

Nach einer Übernachtung auf dem Campingplatz in Ahipara, dem südlichen Ende des Ninety Mile Beach, auf dem sich alle Touristen zu versammeln schienen, die an der Westküste unterwegs waren, fuhren wir auf dem westlichen Teil des Twin Coast Discovery Highways gen Süden. Die Straßen waren zwar kurvenreich und an manchen Stellen sehr holprig, sie boten jedoch einen traumhaft schönen Ausblick auf die Landschaft. Hier wechselten sich Hügel, nahezu Berge mit grünen Rinder- und Schafweiden ab, sodass man sich manchmal vorkam als wäre man in den Alpen, wäre nicht der ein oder andere Silverfern am Straßenrand gewachsen.
Die Autofähre brachte uns von Kohukohu in 15 Minuten nach Rawene. Zuvor entdeckten wir in Kohukohu einen kleinen Laden, der Gemüse, Pflanzen und einiges andere “verkaufte”. Eigentlich gab es keinen Verkäufer, sondern eine “honesty box”, wo man bezahlen sollte. Wir nutzten die Gelegenheit, um ein paar kleine Sukkulenten zu kaufen. Die haben unseren Van erst so richtig gemütlich gemacht. ;-)
Am Ende trafen wir doch noch die Besitzerin des Ladens, die uns erzählte, dass hier Dinge mehrerer Leute verkauft werden. Jeder bringt, was er zuviel erntet und kann es hier verkaufen. Wir finden das eine tolle Idee, es bringt allen Leuten etwas. Die Touristen freuen sich (wir über unsere Pflänzchen und einen frisch geernteten Weißkohl für 1 Dollar), und von den Einheimischen wird der Laden ebenfalls gern besucht. Das Dörfchen war so klein, nach deutschem Standard und kapitalistischen Regeln hätte man hier eigentlich nichts dergleichen erwartet.
Unser eigentliches Ziel war der Waipoua forest, in dem die größten lebenden Kauribäume wachsen. Die Landschaft schien uns irgendwie gar nicht hinlassen zu wollen, denn sie bot ständig etwas Neues zum Anhalten und Anschauen. Besonders schön war der Ausblick bei Omapere auf eine blaue Meeresbucht, begrenzt von einer riesigen Sanddüne. Auch hier hätte man eine Woche allein mit all den Wanderwegen zubringen könnnen. Ein Wasserfall war auch im Angebot, aber so langsam drängte die Zeit, denn wir müssen zurück Richtung Auckland. Man kann sich sagen, man kommt nochmal zurück, aber ich glaube, auch ein Jahr reicht nicht aus, um hier alles zu sehen.