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Wednesday, December 1, 2010

Wilder Westen

Kaum eine halbe Stunde Autofahrt von Auckland ist man plötzlich in einer ganz anderen Welt. Schwarzer glitzernder Sand, von dichtem Grün bewachsene, wolkenverhangene felsige Hügel, Wellen, die das Herz der Surfer höher schlagen lassen und Meeresströmungen, die hin und wieder einen Menschen das Leben kosten. Nach Muriwai, welches in diese Kategorie mit zählt, fuhren wir nun nach Te Henga, auch Bethell's Beach genannt, und Piha, beides Orte, die es schaffen, einem die Sprache zu verschlagen. Und beide gehören zu den Waitakere Ranges, einem östlich von Auckland gelegenen Nationalpark mit Wanderwegen, Wasserfällen, urwüchsigen Wäldern mit Kauribäumen usw.

In Te Henga machten wir zum ersten Mal “freedom camping”, also übernachteten nicht auf einem Campingplatz (was eigentlich dem Fakt geschuldet war, dass es den Tag einfach zu spät war, um einen zu suchen) und hatten eine Wanderung, die uns an einer großen Sanddüne neben Weidehügeln und einem Stausee (Lake Wainamu) zu einem wunderschönen Wasserfall führte. Das alles war ganz unerwartet, wir hatten morgens bloß im Reiseführer gelesen, dass es Wanderwege gibt...

Piha war uns als das Surferparadies bekannt, und es war einfach nur beeindruckend. Man kommt vom Berg herab und sieht Piha unten am Strand liegen, vor türkisblauem Meer und dem riesigen Lion Rock (großes Foto). Auch wenn es nicht sehr klein erscheint, gibt es nur einen Lebensmittelladen im Ort (bei dem man eine Auswahl Lebensmittel käuflich erwerben kann). Tankstelle, Bankautomaten und Getränkeladen sucht man vergeblich, aber dafür findet man Ruhe und Frieden. Hm, das war jetzt die deutsche Übersetzung für peace and quiet. Im Englischen klingt es besser ;-)

Das Meer schlickt beeindruckende Wellen ans Ufer, in denen sich Surfer tummeln. Die Chefin vom Campingplatz erzählte, dass sie schon seit 15 Jahren hier wohnt und um die Gefährlichkeit der Strömungen weiß. Trotzdem wäre sie vor ein paar Tagen vom Schwimmen fast nicht mehr zurückgekommen. Wir begnügen uns daraufhin mit der Bewunderung der Naturgewalt vom Strand aus...


Friday, November 12, 2010

Vater des Waldes

Ein Schild zeigte uns an, dass wir auf den nächsten Kilometern durch den Waipoua Forest fahren würden. Und man bemerkte die veränderte Natur sofort, denn der Wald schien sich die Straße zurückerobern zu wollen und schickte Farne als Vorboten, die sich von beiden Seiten zur Straße beugten. Im Waipoua Forest befindet sich Tane Mahuta - Vater des Waldes, der älteste lebende Kauribaum. Er hat einen stolzen Stammumfang von 17,22 m und einem Alter von um die 2000 Jahre. Sicher gab es noch größere und ältere Exemplare, die wurden aber mit den Millionen Hektar Kauriwaldes im 19. Jahrhundert gefällt, wobei die ehemals im Northland existierenden 2 Millionen Hektar auf einen Bruchteil geschrumpft wurden.

Auch die "nächstkleineren" größten Kauris kann man in diesem Wald finden. Der zweitgrößte, ebenfalls Vater des Waldes, hat den Namen Te Matua Ngahere (siehe Foto unten; Tane Mahuta sieht man gut bei Wikipedia) .

In ihren Kronen gibt es mehrere Etagen und sogar Gärten. Es wachsen Flechten und Moose, später Farne und dann sogar andere Bäume. Zahlreiche Insekten und Vögel finden hier ein Zuhause. Junge Kauris haben eine Pyramidenform, erst mit höherem Alter entwickelt sich die ausladende Krone. Ganz spät brechen große Äste ab, so dass manchmal fast nur noch der große Stamm übrigbleibt.

Das Fällen der Bäume ist heute nicht mehr die große Gefahr, an dessen Stelle trat eine Krankheit namens “Kauri dieback” (Kauri-Sterben). Es handelt sich um einen pilzähnlichen Erreger namens Phytophthora taxon Agathis aus dem Reich der Chromista, welcher mit Erde übertragen wird. An den Zugängen zu Kauriwälder muss man deshalb seine Schuhe waschen.Des Weiteren soll man nicht nahe an die Kauris herangehen, auch um ihre Nährwurzeln nicht zu beschädigen, die sehr nah an der Erdoberfläche verlaufen. Trotz zahlreicher Schilder halten sich viele Touristen leider nicht daran.

Nach diesem beeindruckenden Naturerlebnis campten wir auf einem DOC-Campingplatz ganz in der Nähe, wo es ebenfalls Kauris gab. Das Gelände, ein klitzekleiner Urwald voll mit großen Kauris, war 1921 von seinem Besitzer an die Regierung übergeben worden, heißt nach ihm heute Trounson Kauri Park und wird vom DOC verwaltet. Nachdem wir den wunderschönen und informativen Rundweg gemacht hatten (zwischendrin und zum Abschluss natürlich mit Schuhe waschen), trafen wir auf den zuständigen Ranger. Im Wald sagte er, gibt es Hunderte Kiwis, was nur durch ständiges Pestmanagement möglich ist. Das heißt es werden ständig Gift ausgelegt und Fallen aufgestellt, um die ganzen eingeschleppten Raubtiere, nämlich Ratten, Katzen, Possums, Wiesel, Hermeline, Frettchen... in Zaum zu halten.

Eine kuriose Geschichte gab es noch. Uns war aufgefallen, dass es um den Campingplatz eine Menge Kaninchen gab. Die helfen quasi, die Predatoren vom Kiwi abzulenken. Soll heißen, wenn es viele Kaninchen gibt, vermehren sich auch die Kiwis gut. Ist nicht wissenschaftlich abgesichert, aber so war seine Erfahrung. Eines können wir bestätigen, Kiwis gab es, denn wir hörten sie in der folgenden Nacht.